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Er kann nicht mein Jünger sein!
Betrachtung zum 23. Sonntag im Lesejahr C

Wenn wir die hl. Schrift lesen, so muss uns klar sein, dass es nicht unsere Worte sind, sondern Gott spricht zu uns und wir sollen uns bemühen, auf sein Wort zu hören.  
 


Pater Dr. Bernhard Anton Sirch OSB
Bild: Autor
Dreimal entscheidet Jesus im heutigen Evangelium:  
 
"er kann nicht mein Jünger sein" (Lk 14, 26.27.33).  
 
Für die Jüngerschaft stellt Jesus drei klare Forderungen:  
 
1) "Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14, 26).  
 
2) "Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein" (Lk 14, 27).  
 
3) "Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet“ (Lk 14, 33).  
 
Es sind radikale Forderungen. Jünger Jesu sein bedeutet, einen totalen Verzicht auf die Güter dieser Welt. Es sind Güter, die die Menschen gewöhnlich anstreben: nicht das Leben in vollen Zügen genießen, sondern sein Leben geringachten; kein High-Live, sondern sein Kreuz tragen; kein Ausruhen auf seinem Besitz, sondern auf seinen ganzen Besitz verzichten. Das Streben und die Verhaltensweise der Jünger Jesu steht somit in diametralem Gegensatz zu dem Streben der Menschen dieser Welt.  
 
Das Kreuz, das Leiden in dieser Welt ist für den Christen eine Perle im neuen Leben. Suchen und sammeln wir in diesem Leben solche „Perlen“? Die Forderungen Jesu sind nicht nur für seine Jünger gedacht, sondern alle Menschen, die Jesus nachfolgen wollen, müssen sich über die drei Forderungen Jesu Gedanken machen.  
 
Die drei Forderungen nimmt Jesus so ernst und er weiß auch um die Schwierigkeiten der Umsetzung, dass er zwei Beispiele bringt:  
 
"Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.  
 
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft solange der andere noch weit weg ist und bittet um Frieden" (Lk 14, 28-32).  
 
Im Tod müssen wir so wie so alles zurücklassen, auch unser „Leben“ und zwar jeder Mensch. Die Christen, besonders die Ordensleute und Priester nehmen diesen Tod vorweg und „verzichten“ um des Reiches Gottes willen. Jeder Christ sollte ganz bewusst versuchen, einmal am Tag auf etwas zu verzichten „um des Himmelreiches willen“. Wenn diese Grundhaltung bei vielen Christen vorhanden ist, dann ist dies ein fruchtbarer Boden für Priester- und Ordensberufe, wo junge Menschen einen gelebten Glauben erleben und den Glauben einüben können nach den Forderungen Jesu für seine Jünger.  
 
Jeder Mensch, der in die Nachfolge Jesu tritt, muss bereit sein auf alle Güter dieser Welt, ja sogar auf sein eigenes Leben zu verzichten. "Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 5,35; Lk 9,24). Es geht also nicht um Nebensächlichkeiten, die Jesus von seinen Jüngern verlangt, sondern der Jünger Jesu muss bereit sein, alles zu verlassen, "ja sogar sein Leben gering achten" (Lk 14,26). Auf diesem Hintergrund muss man auch die Berufung zum Priester sehen und die Kriterien, die die Kirche aufstellt. Das Leben eines Priesters unterscheidet sich wesentlich vom Treiben und Getriebensein dieser Welt. So beton Papst Benedikt XVI: "Christliche Existenz ist keine harmonische Anpassung an die natürliche Welt, sondern, hineingestellt in die nicht endende Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, eine zutiefst dramatische, wie er an den Priestergestalten Pater Pio und Jean Baptiste Marie Vianney darlegt.  
 
Ist es heute nicht ähnlich, wie Jesus es in den beiden Beispielen aufzeigte. Wer zum Priestertum berufen ist, muss um die Schwierigkeiten wissen, die ihn erwarten. Es genügt nicht, nur das Fundament zu legen, der Bau muss auch fertiggestellt werden können: vgl. Lk 14, 29.30. Nur mit der Kraft Gottes kann er einer Übermacht von gegensätzlichen Lebensanschauungen und Weltanschauungen widerstehen: "tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht" (2 Tim 4,2).  
 
Für einen Priester ist es unerlässlich tagtäglich über Jesu Botschaft nachzudenken, er muss dafür auch Zeit haben, um so Kraft zu schöpfen. Es gibt heute scheinbar zu wenig Priester. Viele Priester führen jedoch in ihrem täglichen Arbeitspensum Tätigkeiten aus, die den Priester von seiner ursprünglichen Aufgabe ablenken, ja entfremden. Besonders in Klöstern ist diese Gefahr groß, wo z.B. ein Priester z.B. die Gärtnerei leitet und Ähnliches mehr und dadurch in einer Zeit der Arbeitslosigkeit einen Arbeitsplatz wegnimmt, den ein anderer dringend für den Unterhalt seiner Familie benötigen würde, wobei dieser Priester dringend in der Seelsorge gebraucht wird. Auch das Arbeitspensum von Priestern müßte untersucht werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass heute noch Priester die gesamte Büroarbeit bis hin zur Kirchenrechnung machen müssen. Das Leben eines Priesters ist so wertvoll, dass sie Bischöfe und Ordensoberen persönlich um ihre Priester kümmern müßten.  
 
Durch dieses Aufgerieben sein von Aufgaben, für die der Priester nicht ausgebildet ist, versiegt das spirituelle Leben, aus dem der Priester leben soll. Der Priester muss sich auf seine Aufgabe besinnen und aus der Verbindung mit Christus Kraft für sein Wirken bekommen, um exemplarisch vorzuleben, was christliches Leben ist; nur so wird sein Leben glaubhaft und wird sein Leben: eine Verkündigung sein. "Wir verkündigen nicht Weisheit dieser Welt oder Machthaber dieser Welt... Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes" (1 Kor 2,6.7). "Wir stehen da als Toren um Christi willen" (1 Kor 4,10). "Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun ist aber Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen" (1 Kor 15, 19,20).  
 
Nur in einer ständigen, intensiven Beschäftigung mit dem Wort Gottes, mit dem Reich Gottes, das wir ersehnen, können wir die Weisheit, die Andersartigkeit Gottes erahnen, kann der Priester die Menschen zu Gott führen, wie wir in der 1. Lesung hören: "Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt: wer kann das ergründen, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? " (Weish 9, 16-18).  
 
Dr. P. Bernhard Sirch, Pfarrer von Illschwang  
 
Katholisches Pfarramt, Propstei - Schlößl, Hauptstraße 4, D - 92278 Illschwang. Tel. 09666/951272.
Autor: P. Sirch
Veröffentlicht am: 05.09.2010
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