Beobachtungen in der Hl. Messe
Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Ja, ich finde es gut, sich in der Heiligen Messe gegenseitig ein „Zeichen des Friedens“ zu geben, wenn der Priester nach dem Vaterunser dazu ermuntert.
Ob gerade diese Stelle im Ablauf der Hl. Messe die geeignete ist, darüber wird von Liturgie-Experten nachgedacht. Schließlich gehören Hochgebet und Kommunion zusammen; die Überlegungen gehen dahin, Vaterunser und Friedensgruß ans Ende des Wortgottesdienstes zu setzen, also nach den Fürbitten.

Kommentar
Bild: S. Hofschlaeger/ pixelio.de
Vermutlich ist der Friedensgruß im Mittelalter an die heutige Stelle gerückt, weil viele, die die Kommunion nicht empfangen wollten, bereits nach dem Vaterunser das Gotteshaus verließen. So gab es hier diesen Friedensgruß als Segen zur Entlassung für diese Gottesdienstbesucher.
Dies nur als Vorbemerkung. Anlass zu meinem Kommentar ist die konkrete Praxis des Friedensgrußes, wie man sie vielerorts erleben muss.
Doch zuerst einmal: In der Instruktion „Redemptionis sacramentum“ „über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind“ , ist die liturgische Rechtslage klar umrissen:
„72. Es ist angebracht, «daß jeder in schlichter Weise nur seinen Nachbarn den Friedensgruß gibt».
«Der Priester kann den Friedensgruß den Dienern geben, bleibt aber immer innerhalb des Presbyteriums, um die Feier nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem gerechten Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will».
Und in den pastoralen Einführungen in die liturgischen Bücher heißt es: „112. Der Priester spricht vernehmlich: "Der Herr hat zu seinen Aposteln gesagt:"
"Zum Friedensgruß: "Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch" breitet er die Hände aus und faltet sie wieder.
Die Gemeinde antwortet: "Und mit deinem Geiste."
Der Priester kann dann zum Friedensgruß auffordern, worauf alle entsprechend den örtlichen Gewohnheiten in einem Zeichen einander Frieden und Bruderliebe bezeugen. Der Priester kann den Altardienern den Friedensgruß geben.“
Einen Interpretationsspielraum kann ich hier nicht erkennen. Klar ist: Der Priester verlässt den Altarraum nicht beim Friedensgruß.
Da jeder Priester des Lesens mächtig ist, könnte mein Kommentar theoretisch überflüssig sein.
Aber heutzutage wird ja gerne gestaltet. Man ändert und man lässt weg. Zugegeben und klar gesagt: Die große Mehrheit der Priester verhält sich vorbildlich. Hier geht es um die zunehmende Gruppe derjenigen, die Papier Papier sein lassen und machen, was sie so gerade für richtig halten.
Dass sie damit auch Ärgernis erregen, spielt offenbar keine Rolle. Dass sie damit ein schlechtes Vorbild für die Gläubigen sind, wohl auch nicht. Man zwingt den Gottesdienstbesuchern seinen persönlichen Geschmack auf, und fertig!
Was als liturgische Freiheit daherkommt, die man sich einfach nimmt, ist in Wirklichkeit die Unterdrückung der anderen und der korrekten Form.
Freundlich lächelnd verlassen diese Priester den Altarraum zum Friedensgruß, nicken links und rechts und ziehen, wenn möglich, mindestens bis zur Mitte des Kirchenschiffes, wo sie ohne erkennbaren Grund plötzlich kehrt machen und die Hinterbänkler völlig ungegrüßt lassen.
Bei ihrer Friedensinitiative winken sie ab und zu jovial wie die Queen dem Kirchenvolk zu und nicken bisweilen wohlwollend. Dabei werden Einzelne herausgepickt und der besonderen Gunst des Zelebranten teilhaftig, denn ihnen wird die Hand geschüttelt, dem Nachbarn oder dem Mitchristen in der nächsten Reihe nicht. Was die davon halten und wie die sich dabei fühlen, spielt keine Rolle.
Sie haben es hinzunehmen. Das ist eben so, es gibt immer einige, die gleicher sind als andere. Warum sollte das in der Kirche anders sein?
Das Ganze zieht sich mitunter beachtlich in die Länge, je nach Grußbereitschaft des Priesters und Gläubigenzahl. Auch ein nettes Wort zwischendrin muss ja mal sein. Und eine pädagogische Ermahnung zuweilen auch: So durfte ich erleben, wie ein Priester bei einem kleinen Kind eine Belehrungspause einlegte: „Nein, das schöne Händchen…!“
aus: "MEIN PREDIGTGARTEN"
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