Thema Ökumene auf dem 2. ÖKT in München. Zusammenfassung wichtiger Podiumsdiskussionen.
Ökumene spielt auf dem zweiten Ökumenischen Kirchentag in München naturgemäß eine bedeutende Rolle. Ökumene, der doch momentan eine „Eiszeit“ attestiert wird, angelastet vor allem Joseph Ratzingers „Dominus Jesus“, jener Schrift, die den Kirchen der Reformation das Kirchesein im eigentlichen Sinn abspricht. Obwohl diese vatikanische Erklärung der Glaubenskongregation nun schon zehn Jahre alt wird, scheidet sie die Geister heute mehr als je zuvor, nicht zuletzt weil ihr Verfasser heute selbst Papst ist.
Abtpräses Notker Wolf OSB
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Dauerthema Dominus Jesus Auf den Podiumsveranstaltungen des 2. ÖKT zum Themenkreis Ökumene verweisen nicht wenige evangelische Redner noch immer mit beleidigtem Unterton auf „Dominus Jesus“. Autor Klaus Happrecht revanchiert sich auf seine Art: er zitiert eine aktuelle Umfrage unter Katholiken, wonach jeweils um die 70 Prozent für ein Priestertum der Frau, für eine Mahlsgemeinschaft mit der evangelischen Kirche und für die Abschaffung des Zölibats in der Kirche votieren und erhält dafür tosenden Applaus der rund tausend Zuhörer in der völlig überfüllten Halle. Wenn ein solche Statistik aus dem Mund eines Protestanten vorgetragen wird, dann schwingt ein wenig der Unterton mit: seht her, euer Volk will doch, dass ihr evangelisch werdet. Ihr müsst euch auf uns zubewegen.
Sattler, Tveit, Zollitsch, Schneider (v.l.n.r)
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Dass Kardinal Ratzinger mitunter sehr scharfzüngig ist, hatten in seiner Regensburger Rede auch schon die Muslime erfahren, aber wer ihn kennt, weiß auch, dass er nicht ausgrenzen, sondern zum Nachdenken provozieren will. Dominus Jesus zielte ja in erster Linie auf die fehlenden fünf Sakramente der protestantischen Kirchen, weniger auf die Fragen der Frauenordination.
Auch Desinteresse auf evangelischer Seite Insofern konterte Frau Prof. Sattler als katholischer Gegenpart korrekt, als sie die Frage stellte, ob sich nicht auch die evangelischen Kirchen reformieren müssten und verwies als Retourkutsche auf jene Schriftstellen, die das Papstamt und die konstitutionelle Ordnung der Kirche belegen. Auch die Einladung von Johannes Paul II, das Petrusamt im ökumenischen Sinne neu zu definieren, sei von evangelischer Seite bislang nicht aufgegriffen worden. Gibt es also nicht auch ein Desinteresse im protestantischen Lager, seine eigene Identität zu verändern? Und dann sagte sie an die evangelische Seite gerichtet: „Bitte blicken Sie nicht allein auf den Papst, die Verlautbarungen, die rechtlichen Normen; wir tun das auch nicht“. Dieser doppeldeutige Satz, der zwar anders gemeint war, brachte Frau Sattler ein schallendes Gelächter ein. Und doch, so ganz falsch ist er auch nicht, denn in der Praxis geht innerhalb der katholischen Kirche die ökumenische Gastfreundschaft weit über das Erlaubte hinaus.
Merkel: lobt katholischen Weltblick
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Erzbischof Zollitsch hat auch keine erlösende Nachricht zu den brennenden Fragen der Ökumene im Gepäck und so beschränkt er sich auf die Würdigung des Erreichten, was einige Zuhörer kaum auf den Sitzkartons hielt: „das haben wir doch alles schon zig Mal gehört!“, raunt es durch die Menge. Zollitsch mahnt aber auch aus einem anderen Grund zur Geduld: „Wenn wir Dinge zulassen, die theologisch noch nicht geklärt sind, schaffen wir neue Spaltungen.“ Das gelte besonders für die katholische Weltkirche. Und dennoch, so Zollitsch: „Es gibt keine Alternative als die Ökumene“.
„Kommt einem wie Realsatire vor“ Der EKD Ratsvorsitzende Schneider erzählte eine Anekdote aus seiner früheren Wirkungsstätte: „Ich bin ja eine einfache reformierte Seele vom Niederrhein. Dort haben wir vor vielen Jahren über Wochen hinweg hitzige theologische Debatten geführt, ob es erlaubt sei, eine Kerze auf den Abendmahlstisch zu stellen. Heute im Rückblick kommt einem das wie Realsatire vor“. Und so hofft er sich auch, dass in einigen Jahren oder Jahrzehnten auch die Debatten über die Mahlsgemeinschaft mit der katholischen Kirche realsatirischen Charakter bekämen.
Dass man sich durchaus respektieren und annähern kann, davon berichtet der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen, Olav Fykse Tveit. Im Schweizer Bossey Insitut studieren Theologiestudenten der verschiedenen Konfessionen ein Jahr zusammen und halten gemeinsame Gebetszeiten. Am Anfang heißt es immer: „die da, die tanzen während des Gebets, mit denen kann ich nicht beten“, oder „die beten Maria an, mit denen kann ich nicht beten“, oder „da gibt eine Frau den Segen, das geht nicht.“ Und nach vier Wochen sagen sie: „jetzt weiß ich, dass man Gott auch im Tanz ehren kann: es geht doch!“, oder „jetzt weiß ich, dass ihr Maria nicht anbetet, sondern nur verehert: es geht doch!“ oder „ich verstehe jetzt, dass Gottes Segen nicht von dem Geschlecht eines Menschen abhängt: es geht doch!“
„Seien wir Christus würdig“ Tags zuvor hatte Abtprimas Notker Wolf OSB gefordert: „Ich wünsche mir einfach, dass wir stärker Christus nachfolgen, im Augenblick sind wir noch zu rechthaberisch. Seien wir Christus würdig.“ Er sieht aber auch wirtschaftliche Notwendigkeiten zur verstärkten Ökumene. Er könne sich es gut vorstellen, dass es in Zukunft gemeinsame Pfarreien gäbe und nur die Gottesdienste konfessionell getrennt wären.
Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde am Ende ihres ÖKT Auftritts gefragt, was ihr als evangelischer Pfarrerstochter denn besonders an der katholischen Kirche gefalle: dass es sich um eine Weltkirche handele und die Dinge in Rom immer global betrachtet werden und nicht aus dem Blickwinkel lokaler Interessen, – und an der evangelischen Kirche? „Das Schönste in der evangelischen Kirche ist, dass man mehr Lieder im Gottesdienst singen kann“. /wtz
Autor: diomira Veröffentlicht am: 15.05.2010
Leserkommentare
sttn aus München schrieb am 16.05.2010, 1.36 Uhr
Heute war ich als Katholik in einem evangelisch-lutherischen Gottesdienst. Was mich - neben dem häufigen fehlen Gottes im Gottesdienst - am meisten gestört hat, waren die Leider. Es wurde so wenig gesungen.
Als Katholik bin ich mehr gewohnt.