Wenn sich erzkonservative Protagonisten der katholischen Kirche multimedial verwirklichen, dann ist die Umsetzung häufig unsäglich dilettantisch. Nicht so, wenn Johannes Maria Schwarz seine Finger im Spiel hat.
Ausschnitt aus dem Filmplakat
Bild: DVD "Die Messe"
Der österreichische Kaplan mit Dienstort Vaduz, Programmierer und Webmaster des Nachrichtenportals kath.net, hat mit der DVD „Die Messe“ alle Register seines Könnens gezogen und quasi im Alleingang eine hoch professionelle Videoproduktion geschaffen: brillante Bilder, gekonnte Kameraführung, beeindruckende Videoeffekte und ein fast perfekter Schnitt.
Ironisch und kurzweilig Es geht um eine einstündige Einführung in die Heilige Messe und die Botschaft, dass nicht die Gemeinde sich selber feiern soll, sondern dass eine authentische Feier des Gottesdienstes dem eigentlichen Anliegen gerechter wird, nämlich Gott zu dienen. Damit diese althergebrachte Form nicht langweilig und abgedroschen wirkt, muss der Kirchenbesucher allerdings verstehen, was die liturgischen Formen im Detail bedeuten. Schwarz erklärt sie auf eine sachliche, mitunter ironische und insgesamt sehr kurzweilige Art.
Schon die Aufmachung kommt mit einem Augenzwinkern daher und imitiert einen Hollywood Blockbuster. In der Typographie eines Filmplakats präsentiert „Birett Ballett Productions“ den Film „directed by Faith“ und mit „Special Effects by God“. Als „Rahmenhandlung“ dient ein frisch gezapftes Weißbier.
Wohltuend ist besonders, dass Schwarz alle Polemiken und populistischen Argumentationen beiseite lässt, die man gewöhnlich aus der konservativen Ecke erwartet. Und damit kann er letztlich viel besser überzeugen. Die Gottesdienstszenen, untermalt mit den Klängen einer gregorianischen Schola, sind Fürsprecher genug. Als Kleriker weiß Schwarz, wohin er die Kamera zu richten hat, um jedes wichtige Detail mit der nötigen Dramatik einzufangen. Und so gibt es allein vom Zuschauen viel zu entdecken.
Suggestive Bildsprache Auch wenn die Erklärung des Messablaufs dem ordentlichen Ritus entspricht, so ist quasi alles, was sich irgendwie aus dem alten Messritus hat hinüber retten lassen, in den Beispielszenen vorhanden. Was Schwarz nicht direkt ausspricht, wird doch suggestiv durch die Bildsprache vermittelt. Vier verschiedene Messfeiern werden gezeigt, alle Priester zelebrieren ausschließlich „ad orientem“ - also zum Hochaltar hin gewandt. Keine Frau ist im Altarraum zu sehen und natürlich wird nur die Mundkommunion praktiziert. Unterschwellig wird der Film so zu einer Kampagne für die „Reform der Reform“, also jener Bewegung, die sich eine Abänderung des Novus Ordo hin zu der alten Messform wünscht.
Genau dieses unterschwellige Agieren nimmt dem Film letztlich die Größe, die er haben könnte, hätte er sich bemüht, die weltkirchliche Weite der Liturgiepraxis einzufangen. So degradiert er sich zu einem Werbefilm für eine bestimmte katholische Identität, die eben nur eine unter vielen sein kann.
Fazit: Trotz all dem ist der Film für die Katechese durchaus auch dort geeignet, wo weniger konservative Gesinnung herrscht, weil er zumindest das Grundanliegen der Messfeier wieder zur Geltung bringt und zum Nachdenken anregt. Allerdings sollte man ihn nicht unkommentiert lassen und in einer anschließenden Diskussion zeigen, dass der ordentliche Ritus nach dem zweiten Vatikanum durchaus bewusst und berechtigt eine andere liturgische Formensprache gewählt hat.
Der Film kann als DVD auf einer eigens dafür eingerichteten Website zu einem Unkostenbeitrag bestellt werden. Dort gibt es auch einige Ausschnitte aus dem Film zum Probesehen: Link
Autor: diomira Veröffentlicht am: 18.09.2009
Leserkommentare
Johannes Schwarz aus Vaduz schrieb am 20.03.2010, 17.59 Uhr
Danke für die review. Eine kleine Korrektur: Es sind in der Messerklärung auch Bilder von einer Zelebration am Volksaltar zu sehen - einfach auf die Position der Ministranten achten.