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Stundenbuch beten
Liturgia Horarum - Liturgie, die den Tag prägt

Wer sich gefragt hat, was es mit dem Hinweis „Stundenbuch: 1. Woche“ in der Diomira-Kopfleiste auf sich hat: Hier findet sich eine Antwort.  
 


Uralte Spiritualität: das Stundenbuch
Bild: dio
Der Beter in Psalm 119, 164 sagt: "Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen deiner gerechten Entscheide." Und "Die Kirche feiert nach alter Überlieferung während des Tagesablaufs das Stundengebet. Damit erfüllt sie zugleich das Gebot des Herrn, unablässig zu beten. Zugleich preist sie Gott, unseren Vater, und legt Fürbitten ein für das Heil der Welt." - soweit das Dekret der Kongregation für den Gottesdienst zur Einführung in das Stundengebet. Viele wissen, dass Priester und Ordensleute zum Beten des Breviers verpflichtet sind. Und was zur Pflicht wird, ist meist auch lästig. Dabei wird übersehen, dass das Stundengebet eine uralte spirituelle Tradition fortsetzt, die zurück zu den Wurzeln des christlichen und jüdischen Glaubens reicht. Dem Beter erschließt sich dabei besonders der Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament. Das entdecken zunehmend auch interessierte Laien und so ist eine gewisse Renaissance des Stundenbuchbetens zu bemerken. Ganz ohne Einführung wird der neu Interessierte aber schnell vor dem „Baukastensystem“ kapitulieren, mit dem das Stundenbuch aufgebaut ist. Im Folgenden wird ein bisschen Licht in die Geheimnisse des Brevierbetens gebracht.  
 
Aufbau  
 
Siebenmal am Tag soll das Stundengebet also Gelegenheit zur Begegnung mit Gott bieten.  
Am Morgen beginnt man mit dem Invitatorium, einem "vorgeschalteten Psalm", sozusagen zum Einstieg, dann folgt die Laudes, zeitgerecht etwa um 6 Uhr, zum Sonnenaufgang.  
Gegen 9 Uhr folgt die Terz (die Hore zur "dritten Stunde"). Um 12 Uhr betet man die Sext ("sechste Stunde"), dann um 15 Uhr die Non ("neunte Stunde").  
Das Abendlob, dessen zeitgerechter Ansatz etwa 18 Uhr ist, nennt man Vesper.  
Als letzte Hore des Tages folgt das Nachtgebet der Kirche, die Komplet. Die siebte Hore, die Lesehore, kann zu jeder Tageszeit gebetet werden.  
 
Auch wenn ein zeitgerechter Ansatz im Arbeitsleben oft nicht gelingt, so sollen sich die zum Stundengebet Verpflichteten (Kleriker und Ordensleute) doch darum bemühen, wenigstens Laudes und Vesper zur angestammten Tageszeit zu beten.  
 
Laudes und Vesper bestehen aus  
 
- einem Hymnus (Lied),  
- 2 Psalmen mit Antiphonen (wechselnden "Motto"-Versen als Refrain),  
- einem Canticum (Lied) aus dem alten (in der Laudes) oder dem neuen Testament (in der Vesper) mit Antiphon,  
- einer Kurzlesung aus dem alten oder neuen Testament mit Responsorium (Antwortgesang) und  
- einem charakteristischen neutestamentlichen Canticum aus dem Lukasevangelium:  
- dem Benedictus in der Laudes (Lk 1,68-79) und dem Magnificat (Lk 1,46-55) in der Vesper,  
ebenfalls mit je eigener Antiphon.  
- Es folgen die Preces oder Fürbitten,  
- das Vater Unser und  
- die Oration (abschließendes Gebet).  
 
Die Komplet ähnelt im Aufbau Laudes und Vesper. Vor dem Hymnus bietet sie als Abendgebet Gelegenheit, den Tag zu überdenken und nach Hymnus, einem oder zwei Psalmen, Kurzlesung und Responsorium folgt als charakteristisches neutestamentliches Canticum aus dem Lukasevangelium das Nunc dimittis (Lk 2,29-32), dann die Oration und noch ein Hymnus an die Gottesmutter Maria.  
 
Terz, Sext und Non bestehen jeweils aus  
 
- dem Hymnus,  
- drei Psalmen mit Antiphonen  
(jeder Tag sieht nur eine Psalmenreihe für die Hora Media vor.  
Soll mehr als eine Hora Media gebetet werden,  
so kann auf eine Eränzungspsalmodie zurückgegriffen werden)  
- einer Kurzlesung mit Versikel (2 Verse als Antwortruf) und  
- der Oration.  
 
Die Lesehore ist gleich aufgebaut, hat aber statt einer Kurzlesung zwei längere Lesungen jeweils mit Responsorium.  
 
Textsammlungen  
Als "Gebetbüchlein = breviarium" gibt es für Kleriker die drei Bände des Stundenbuches und die 16 Lektionare für die Lesehoren.  
Verschiedene Orden haben auch eigene Ausgaben, zum Beispiel für jede Hore ein eigenes Buch.  
 
Wer zum ersten Mal ein Stundenbuch in die Hand nimmt, wird schnell durch die vielen bunten Lesebändchen und die vielen Verweise innerhalb der liturgischen Texte verwirrt. Diese Verwirrung trügt jedoch. Der Aufbau des Stundenbuches ist sehr klar gegliedert und wird nach kurzer Erklärung schnell verständlich, der Aufbau der einzelnen Horen erfolgt ja, wie gezeigt, einem ganz bestimmten Schema. Viele Teile wiederholen sich im Laufe der Zeit, allerdings immer mit kleinen Veränderungen.  
 
Der Psalter (die verwendeten Psalmen) wiederholt sich alle vier Wochen, und zwar das ganze Kirchenjahr hindurch. Doch geben die geprägten Zeiten (Advent, Weihnachten, Fastenzeit und Ostern) noch ihre je eigenen Texte mit dazu. Hinzu kommen die Herren- und Heiligenfeste mit je eigenen Texten. Damit ergibt sich, dass es neben dem Psalmenteil einen Teil für Heiligenfeste und einen Teil für die jeweiligen Texte des Kirchenjahres geben muss.  
 
Die Anschaffung aller notwendigen Bücher ist verständlicherweise nicht ganz billig. Ebay und Antiquariate, aber auch viele Priesterseminare, können helfen, die Bände gebraucht deutlich günstiger zu erwerben, allerdings ist die Nachfrage groß. Zum Ausprobieren, ob man mit dieser Form der Spiritualität zu Recht kommt, empfehlen sich die abonnierbaren Monatshefte „Magnificat“ (Butzon & Bercker) oder „Te Deum“ (Verlag Katholisches Bibelwerk), die eine frei gestaltete Kurzform der Tageszeitenliturgie und die jeweiligen liturgischen Texte für die Messfeier vom Tag anbieten. Diese Hefte sind so zugeschnitten, dass sie den Anfänger nicht überfordern und sich in einen normalen Alltag gut einbauen lassen. Das ist hilfreich, um langsam in den Rhythmus der Stundengebete hineinzuwachsen. Man kann bei den Verlagen kostenlose Probehefte anfordern.  
 
Alternativ gibt die drei Bände des regulären Stundenbuchs auch in kleiner Form („Kleines Stundenbuch“), die der approbierten Fassung entspricht, aber in Taschenbuchformat und relativ preisgünstig zu erhalten ist (Herder Verlag). Nützlich für den Anfänger ist hier am Ende ein kleines Wörterbuch, das dem Anfänger hilft, die Zusammenhänge und Fachbegriffe zu verstehen.
Autor: Mel
Veröffentlicht am: 11.01.2007
 Leserkommentare
 
PiusV aus Berlin schrieb am 23.12.2013, 12.41 Uhr
Noch ein kleiner Nachtrag: Mit der Prim fiel auch die Tageslesung aus dem Martyrologium Romanum weg...warum wohl!? Jetzt hat man unpassende Melodien und eine Lesehore...wer braucht da schon eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition? Ist DAS alles armselig...

PiusV aus Berlin schrieb am 06.10.2013, 20.29 Uhr
Eigentlich müßte es heißen: 
Matutin (gegen 3 Uhr nachts) 
Laudes (gegen 4 Uhr morgens) 
Prim (gegen 6 Uhr morgens) 
Terz (gegen 9 Uhr morgens) 
Sext (12 Uhr mittags) 
Non (gegen 15 Uhr) 
Vesper (gegen 18 Uhr) 
Komplet (gegen 21 Uhr) 
 
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los,daß seit der sogenannten "Liturgiereform" auch das Stundengebet ziemlich verflacht ist...außerdem hört es sich in der jeweiligen Landessprache auch reichlich merkwürdig an. 
Das altehrwürdige Latein war auch hier nicht mehr gut genug...leider! 
Man kann wirklich nur noch dafür beten,daß Gott eines Tages wieder bessere Zeiten schenkt!

Ulla aus Fulda schrieb am 07.09.2013, 9.41 Uhr
Toll finde ich die monatlich erscheinenden Te Deum und Magnifikat. Die Texte von heute finden sich beim Te Deum z.B. jeweils auf http://www.maria-laach.de/tedeum_druckversion.php

Waltraud aus moosbach-gaisheim schrieb am 26.04.2013, 6.17 Uhr
Stundenbuch beten ist eine Zeit, in der sich die Seele befreien kann vom ewigen wirr-warr der Welt; diese Zeit wird uns geschenkt, damit uns das "Halten" durch und von Gott bewusst ist. und wenn ich die Gebetstexte nicht zur Hand nehmen kann, so setzt sie mein Herz fort. Alle Tage und Augenblicke meines Lebens, zusammen mit Gleich-gesinnten...

Peter aus 80000 schrieb am 14.03.2013, 17.28 Uhr
Das Stundenbuch gibt es auch als App für Android auf Deutsch und in diversen Sprachen für das iPhone.  
Nichts mehr mit Blättern und Suchen.

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